Looduskalender in Vikerraadio: Morgen- und Abenddämmerung

Eingereicht von Looduskalender - Di., 14.08.2018 - 21.21
Autorid

Die Autorin, Kristel Vilbaste, moderiert auch in Vikerraadio

Foto Arne Ader

Übersetzung ins Englische: Maret

Übersetzung vom Englischen ins Deutsche: Brit

Estnischer Text gepostet am 17.07.2018

Kibuvits

Heckenrose (oder Hagebutte)

Textkörper

Unsere lautesten Singvögel haben ihre Kraft verloren. Dem Kuckuck „steckt eine Gersten-Kelchborste im Hals“ (ein altes estnisches Sprichwort – M.) – er fliegt übers Feld und wird nicht mehr von einer wütenden Vogelschar gejagt. Sogar die Nachtigall ist verstummt, nur der Pirol pfeift noch.

Im Moment präsentiert sich der Ton der Vögel völlig anders der Welt gegenüber. Diejenigen, die singen, sind hauptsächlich Heckenbraunellen und Grasmücken. Außerdem können wir oft junge Vögel um Hilfe rufen hören: Reiher am See, Eulen in der Nacht oder die Jungen im der riesigen Schar der Stare. Doch der Pirol  pfeift weiter in der Ferne und oft sagen seine schrillen Töne Regen voraus – und jetzt kommen die Regenschauer recht häufig.

Der St. Margarethentag am 13. Juli, beendete die hellere und trockenere Hälfte des Sommers …

Mit dem St. Margarethentag beginnt die Zeit in der alles was wir begonnen haben, gesät oder gepflanzt, wächst und sich entwickelt, aber es zu spät im Jahr ist, anzufangen etwas Neues zu säen – dieses weise Wort über die Jahreszeiten kommt von Mikk Sarv. Von jetzt an sind die Nächte so feucht von Tau, dass Heu, das während des Tages geschnitten wurde, nicht mehr trocknen kann. Und es wird gesagt, dass am St. Margarethentag die Geister die Büsche bewohnen werden – bei Dunkelheit sehen die Büsche wieder unheimlich aus, genauso wie sie vor dem großen hellen Sommer ausgesehen haben. Auch wenn die Tage noch lang genug und die Nächte noch nicht so pechschwarz sind, ist die schattige Nachtwelt schon etwas unheimlich.

Es gibt ein altes estnisches Volksmärchen über Morgen- und Abenddämmerung, die sich in dieser Halbdunkelheit suchen, in dem schönen Tal in dem sie sich treffen dürfen.

Doch es gab ein solches Wachstum von Heckenrosen während des Frühjahrs, dass die Suchenden sich nicht finden konnten. Sie sehnten sich nacheinander, jeder wanderte um die Büsche bis die Abenddämmerung einige frische Blutstropfen im Gras neben dem Rosenstrauch gefunden hat. Sie folgte schnell dem Pfad der Tropfen und fand schließlich ihre Freundin, die Morgendämmerung an einer Quelle wo sie sich die Wunden von den Rosendornen im kalten Wasser wusch.

Nach diesen alten Erzählungen  hörte der Große Gott die Gebete der Morgen- und Abenddämmerung und schuf aus den Blutstropfen die Blüten an der Wildrose. Und die Rose, die vor dieser Zeit noch nie geblüht hatte, bekam jetzt ihren Namen (in einem der estnischen Dialekte wird sie „Dämmerungsblüte“ genannt – M), und ihre Blüte können Dekoration für jede Braut und jeden Bräutigam sein.

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